21. Dezember 2012 - Was wirklich geschieht
Am 12. November 2009 kam der neue Film von Roland Emmerich, „Weltuntergang 2012“ in die deutschen Kinos. Nachdem uns die Zeugen Jehovas mit ihren Weltuntergangs-Vorhersagen seit einiger Zeit so schmählich im Stich lassen, haben wir seit dem nicht stattgefundenen Crash aller elektronischen Systeme am 1. Januar 2000 und der erfolglosen „Vision 2004“ endlich wieder ein konkretes Datum, wann die Suppe ausgelöffelt ist.
Nun ist bereits der Name des Filmregisseurs beruhigend. Seine bisherigen großen Filme wie „Godzilla“, „Independence Day“ oder „The Day After Tomorrow“ waren alle glänzend gefilmt, tolle Action, irrer Plot – nur was die Realität angeht, wird diese stets vom „schwäbischen Spielbergle“ durch reichlich Fantasie ersetzt. Hauptsache, es scheppert und kracht.
Schauen wir uns deshalb den Maya-Kalender einmal genauer an und überlegen wir dazu, was es mit den Weltuntergangsszenarien auf sich hat, die immer wieder von neuem verbreitet werden. Also zuerst die alten Maya. Es gibt im Buchmuseum der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek in Dresden eine alte Maya-Handschrift, die sich auf den ominösen Tag beziehen könnte, aber deren Hieroglyphen unvollständig sind. Der Text lautet: „An diesem Tag wird es geschehen, daß . . .“ und hier wird das Folgende unleserlich. Des weiteren existieren Inschriften, die den Schicksalstag bis zum 3. Oktober 4772 hinauszögern. Andreas Fuchs von der TU Berlin zum Beispiel kommt bei seinen Berechnungen auf das Jahr 2220. Vorhang zu - und alle Fragen offen? Würde Reich-Ranicki sagen.
Nach dem Kalender der Maya endet am 21. Dezember (alternativ 22. oder 23.) 2012 ein langer Zyklus von 5125 Jahren, der vermutlich im August des Jahres 3114 v.u.Z. begann. Wenn dieser Zyklus abgelaufen ist, beginnt nach den Vorhersagen der Maya – ein neuer. Nichts weiter. Anders ausgedrückt: Der Maya-Kalender sagt keineswegs das Ende der Welt voraus.
Zwar dürfte dieser Kalender für die alte indianische Hochkultur sehr wichtig gewesen sein. Denn die damaligen Priester verfügten über ein umfangreiches astronomisches Wissen und konnten daher Sonnen- und Mondfinsternisse vorhersagen. Auch sind düstere Prophezeiungen überliefert (die sind in allen Kulturen meistens düster oder man hält sie dafür), die man als Kriegsszenarien, Hungersnöte und Naturkatastrophen (also der „Normalzustand“, für den die Menschen ständig aufs Neue sorgen) interpretieren und auf ein Datum beziehen kann.
Aber alles bleibt ohnehin vage und die Maya-Prophezeiungen sind alles andere als eindeutig. Trotzdem hat dieser Kalender auch für die heutige Zeit noch Bedeutung. Sie können ihn auch als Ratgeber Ihres täglichen Lebens betrachten. Diese laufenden Kalender können Sie beziehen über www.maya.at. Sie erfahren dort auch alles, was es mit diesem Kalender auf sich hat und wie er in Wirklichkeit anwendbar ist.
Andere Deuter, wie zum Beispiel die Australierin Jasmuheen (Ellen Greve) waren zu Beginn dieses Jahrhunderts der Ansicht, daß sich bis zu dem Datum 21. Dezember 2012 alles zum Besseren entwickeln würde, die Welt Frieden bekäme (und das unter George W. Bush und Donald Rumsfeld ???) und danach ein Quantensprung im menschlichen Bewußtsein einträte, sodaß der Mensch seiner eigentlichen Bestimmung gerecht würde. Aber nicht, daß Sie jetzt glauben, der Nachfolger Bushs, Barack Obama, wäre bereits der erwartete Messias. Er muß sich genauso mit den Dickschädeln im amerikanischen Mittelwesten herumschlagen wie jeder andere Präsident vor ihm -– der Fortschritt ist und bleibt eine Schnecke. Und in Amerika könnte man machmal fast meinen, sie wäre schon versteinert.
Jasmuheen ist auch die Propagandistin der Prana(Licht-)Nahrung. Eigentlich hatte ich inzwischen befürchtet, sie wäre längst verdorrt, aber nachdem sie sich – nach etlichen Todesfällen ihrer „Gläubigen“ – im Jahre 2006 selbst von ihrer Lehre distanziert hat, konnte sie sich wieder öffentlich (nicht nur verstohlen) ihrem wohlgefüllten Kühlschrank zuwenden. Sie sagte damals, die Diskussion, ob sie nun esse oder nicht, wäre belanglos. Näheres über Ellen Greve können Sie in der Wikipedia unter dem Stichwort „Jasmuheen“ nachlesen.
Allerdings: Wissenschaftler befürchten für die Jahre 2012 / 2013 erhöhte Sonnenaktivitäten. Gewaltige Eruptionen auf der Sonne, sogenannte Sonnenstürme, könnten verheerende Auswirkungen auf das Leben auf der Erde haben. Es könnte zu heftigen Schwankungen des Erdmagnetfeldes kommen, vor allem aber seien die vom elektrischen Strom abhängigen Zivilisationen gefährdet. Denn die Sonnenstürme könnten, ähnlich wie eine Atombombe, die im All gezündet wird, die Stromversorgung - und damit die globale Technik-Infrastruktur - über Wochen oder Monate lahmlegen. Dies hätte unabsehbare Folgen, denn nicht nur die Energie- und Nahrungsmittelversorgung würden zusammenbrechen, sondern auch die Kommunikation über Telefon, Computer oder Funk sowie alle Hilfs- und Versorgungseinrichtungen.
Wenden wir uns den christlichen Werten des Abendlandes zu oder besser gesagt, was fundamentalistische Kreise in den USA darunter verstehen. Der Oberpastor einer der dortigen evangelikalen Kirchen (deren Lehren auch in Deutschland verbreitet wurden, und nachdem sich die Kirche etwas umbenannt hat, noch immer werden) Herbert W. Armstrong sagte die Wiederkunft Jesu Christi für das Ende der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts voraus und lag, wie konnte es anders sein, gründlich daneben. Seine Blamage mußte er nicht lange ertragen, weil er wenige Zeit danach den Löffel abgab, pardon: ihn der HERR zu sich nahm.
Weshalb stimmen solche Voraussagen nie? Eigentlich ist das komisch, da sich Fundamentalisten doch so auf jedes einzelne Wort der Bibel berufen. So wie es geschrieben steht. Von dem Ende der Welt oder seiner Wiederkehr sagte Jesus seinen Jüngern – unter Matthäus 24, Vers 36: - „Von dem Tage aber und von der Stunde weiß niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der Sohn nicht, sondern allein der Vater.“ Alle Berechnungen sind daher unsinnig. Schon allein vor dem Hintergrund, daß die Zeit, wie wir sie kennen an diese Erde gebunden ist und Tage, Stunden und Wochen auf anderen Planeten andere Längen haben. Und da Gott zeitlos ist, weil die Ewigkeit vor ihm wie eine Sekunde ist, erübrigt sich alles Weitere.
Und die Erde geht auch nicht unter, sondern wird nur erneuert. In der Offenbarung des Johannes (eines jüdischen Sehers, der auf die griechische Insel Patmos verbannt wurde und der nicht mit dem Evangelisten gleichen Namen identisch ist) heißt es: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde, denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.“ Womit der Seher vor annähernd 2000 Jahren das Gleiche sagt, was die Wissenschaft über das Ende des jetzigen Universums herausgefunden hat.
So gesehen sind Endzeitprophezeiungen nicht nur reine Zeitverschwendung sondern auch Anmaßung. Was sollte das für ein seltsamer Schöpfer sein, der sich von seinen Geschöpfen vorschreiben läßt, wann, wie und wo er etwas zu tun hat? Vielleicht sollten alle Kreationisten und Verfechter intelligenten Designs mal überlegen, ob sich ihr Designer nicht inzwischen reichlich darüber ärgert, sich bei seiner Schöpfung nicht an die Fünf-Tage-Woche gehalten zu haben.
Was also wird am 21. Dezember 2012 geschehen? Sie werden wie immer im Weihnachtstress stehen und den letzten Geschenken für Ihre Frau oder Mann, Ihre(n) Geliebten(n) oder Ihre Ableger hinterherjagen, denn in 3 Tagen ist der Hl. Abend. Wie sagte doch Dragoslav Stepanovic, ehemaliger Trainer der Frankfurter Eintracht zu seinen Spielern, wenn diese wieder ein Spiel vergeigt hatten oder die gegnerische Mannschaft stärker war: „Lebbe geht weiter.“
Auch Roland Emmerich ist sich des gefilmten Weltuntergangs längst nicht sicher. Da er ein totaler Feigling ist, wie er in einem Interview bekannte, wird er sich vorsichtshalber auf einen hohen Berg zurückziehen und dort, in relativer Sicherheit, der Dinge harren, die da kommen oder nicht. Ich selber bleibe in Seeshaupt. In dem Kaff passiert ohnehin nie etwas, da ist nichts zu befürchten.